Das künstlerische Schaffen –
ein Tauchgang
Der Tauchgang – also jegliches Eintauchen des sich bewegenden, fühlenden und denkenden Menschen
ist ursprünglich. Ob es nun durch körperliche Aktivität geschieht oder ob es ein gedankliches Eintauchen – ein geistiges sich Vertiefen ist – beim Forschen oder auch Träumen.
...Es ist mir, als stünde ich knietief rückwärts zum Horizont
im Meerwasser, mit den Flossen Schritt für Schritt in die Unter-
wasserwelt gleitend...
Es beginnt das anfängliche Ritual der Glasöfentemperatur-
kontrolle, das Anschließen der Gasleitung zum Trommelofen, das Freilegen der Tür zum Abtemperungsofen, das Öffnen der Schmelzofentür und Bereitlegen der Werkzeuge (Pfeifen, Umhefteisen, Scheren, Zangen, Löffel, Zeitung)
...Es ist mir, als richtete ich den Schnorchel, als wüsche ich die Tauchbrille, als spannte ich das Wassergewehr und lockerte noch einmal den Halsverschluß des Tauchanzugs. Kein schäu-
mendes Wasser, sondern eine glasklare Weite öffnet sich nun
vor meinen Augen, die perlmuttartig den bereits dämmernden südlichen Himmel widerspiegelt, und mich ahnen lässt, mit welchem Glanz die Welt dort unten auf mich wartet...
Das zum Abkühlen der Pfeife notwendige Wasser plätschert aus dem Schlauch, die Pfeife ist warm. Ich tauche sie in die klar leuchtende, glühende Masse und gedanklich gleite ich
in der Hitze vor den Öfen in unsere Welt voller leuchtender, schillernder Wesen und Geschöpfe, deren Überlebenswille
die Fragilität ihres Daseins in den Hintergrund drängt.
